Hochzeitsnachwehen…

Die Hochzeitsnachwehen waren relativ schwach. Am meisten Nerven kosteten uns die Amtsgänge. Da ich Steves Namen angenommen hatte, musste ich am meisten ändern – Personalausweis, Reisepass, Führerschein und und und.
Für mich war das super, da konnte ich endlich ein anständiges Foto nehmen – mein vorheriges fand ich nämlich ganz grausig.

Ich war sehr dankbar, dass Steve diese Woche noch Urlaub hatte. So konnten wir Fotos für die Danksagungskarten machen, die Gänge zu den Ämtern gemeinsam erledigen und vor allem Zeit miteinander verbringen. Für uns waren Flitterwochen von vornherein kein Thema, da wir die Zeit lieber Zuhause sinnvoll nutzen wollten. Und da unsere Badewanne quasi ein Whirlpool ist und wir einen schönen See um die Ecke haben ist es fast wie Urlaub.
Das wirklich schöne an unserer Beziehung ist für mich, dass wir uns, auch wenn wir 24 Stunden am Stück miteinander verbringen, nicht auf die Nerven gehen. Das klingt selbst für mich absurd. Aber es ist tatsächlich so!
Wir frühstücken gemeinsam, räumen anschließend das Haus gemeinsam auf, Baden zusammen, Putzen nebeneinander Zähne und sind eigentlich so gesehen kaum eine Minute getrennt. Seit wir zusammen wohnen ist das so. Und das aller Schönste, es vergeht kein Tag an dem wir nicht lachen!

Was mich nach der Hochzeit noch erreichte sind natürlich nicht nur unendlich viele Glückwünsche, über die wir uns sehr freuen, sondern auch vereinzelt gehässige Dinge. Ich weiß selbst, wie es auf andere wirken muss, die uns nur einzeln oder nur flüchtig kennen. Aber wenn man uns zusammen erlebt sind alle Zweifel aus dem Weg geräumt. Man kann die Leute nicht davon abhalten zu denken, dass wir nur wegen des kleinen Würmchens heiraten – aber was hätten wir denn davon?

Ich muss euch dazu noch ein wenig über mich erzählen. Soweit ich mich zurück erinnern kann, war für mich das Wichtigste die Leute um mich herum gut zu behandeln und mich gut mit Ihnen zu verstehen. Ich wollte immer, dass sich jeder in meiner Gegenwart gut aufgehoben und akzeptiert fühlt. Ich war das kleine Mädchen, das immer Klassensprecher wurde, weil ich mich für andere einsetzte ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hatte Unmengen an „Freunden“ um mich herum und meine Mutter verzweifelte oft, wenn ich schon wieder ein neues Gesicht mit nach Hause brachte – aber sie ließ mich.

Ich vertraute den Menschen einfach. Das komplette Gegenteil war ich allerdings, wenn ich für mich alleine war, ich träumte viel und konnte stundenlang mit mir allein sein. Ich war sogar sehr gern allein. Das ist bis heute so geblieben. Steve ist bisher der einzige Mensch, der mir so nah ist und bei dem ich nicht das Bedürfnis habe mit mir allein sein zu müssen. Natürlich habe ich auch sehr gute Freunde mit denen das ähnlich ist, aber mit keinem von ihnen habe ich bisher so viel Zeit am Stück verbracht und so intime Momente geteilt wie mit ihm. Klar, das haben Beziehungen normalerweise auch an sich. Aber in Liebeleien, die ich vorher hatte, war dieses Gefühl nie so stark. Ich hatte immer das Gefühl nicht ich sein zu können. Und wenn wir ehrlich sind ist es doch das schlimmste sich, auch wenn es nur ein kleines bisschen ist, verstellen zu müssen!

Die kleine Mau hat schnell gelernt, dass das Vertrauen in das Gute im Menschen nicht immer gut ist. Nicht jeder der tut als würde er es gut meinen meint es auch gut. Ich bin wirklich oft auf die Schnauze gefallen und wurde enttäuscht. Aber ich glaube das sind wir alle schon! Auf was ich mich aber immer verlassen konnte war mein Gefühl. Es sagte mir oft schon von Anfang an ob ich jemandem vertrauen kann oder nicht – leider hört man zu selten darauf.

Seit der Schwangerschaft ist dieses Gefühl, dieser Instinkt, noch stärker geworden. Ist das der berühmt berüchtigte Mutterinstinkt von dem immer alle reden?

Wenn ja, dann tut er mir gut. Auch wenn ich in der relativ kurzen Zeit mit Baby im Bauch schon echt viele „Freunde“ verloren habe. So würde ich dennoch nicht von einem Verlust sprechen. Die Leute, die ich jetzt habe, sind die Wichtigen. Es werden immer neuen dazu kommen und alte gehen, daher ist es von großer Bedeutung im Einklang mit sich zu sein und auch mal gerne mit sich allein sein zu können.

Das traurigste ist, wenn wir nicht mehr mit uns selbst sein können, weil wir uns nicht mögen. Falls ihr also, schwanger oder auch nicht schwanger, merken solltet, dass ihr Probleme damit habt mit euch allein zu sein, dann versucht es noch einmal zu verarbeiten und dem auf den Grund zu gehen. Denn, versteht mich nicht falsch, sollte dies wirklich der Fall sein, dann müsst ihr noch etwas verarbeiten. Es ist wichtig sich selbst vor allen anderen zu lieben. Denn wer das nicht kann wird auch nie seinen Steve finden.

Fühlt euch gedrückt
Mau

Hochzeitsnachwehen… was last modified: Juli 7th, 2017 by ALVI – Alfred Viehhofer GmbH & Co. KG