Hosen und Hasen

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, endlich ein wenig herunterzufahren. Aber da bin ich wohl die Tochter meiner Mutter. Wo kein Stress und keine Aufgaben sind, findet sich schon etwas … So habe ich es endlich geschafft, mich hinzusetzen und etwas zu nähen. 2 Hosen sind es geworden für den Nachwuchs – und auch mit meiner Patchwork-Decke habe ich bereits angefangen, nachdem ich das Kissen dazu relativ schnell fertiggestellt hatte. Dazu musste ich mir natürlich erst mal Rat von Freundinnen holen, die auch mittels Schnittmustern und speziellem Stoff alles Mögliche nähen … Es ist zwar eigentlich gar keine so große Sache, seine eigenen Hosen zu nähen. An der ersten bin ich jedoch ziemlich verzweifelt. Ob es an meinen Wurstfingern lag oder an meinem extrem dünnen Geduldsfaden – es war schon eine Herausforderung, die kleinen Einzelteile miteinander zu verbinden und festzunähen. Nach viel Gefluche und so einigen Patzern konnte ich dann aber doch das erste eigene Höschen für unser Kleines fertigstellen. Anfangs hatte ich es voller Stolz in der Handtasche dabei, um es jedem zu zeigen, der es nicht sehen wollte. Inzwischen beschränke ich mich auf Fotos.

HosenDas Gute beim Nähen ist, dass man ja alles „auf links“ arbeitet, sprich falsch herum. Nach dem Umdrehen sieht man von schiefen Nähten und lästigen Patzern oder Unachtsamkeiten gar nichts mehr und alle sind begeistert. So auch Daniel, der nun denkt, er habe eine begabte Schneiderin im Hause. Ich kann euch nicht sagen warum, aber offenbar war das trotz all des Ärgers eine Entspannung zwischen den stressigen Arbeitstagen, die ich in letzter Zeit hatte. Ich merke nun einfach, dass ich nicht mehr ganz so belastbar bin und viel emotionaler auf angespannte Situationen, die es im Krankenhaus, im Kontakt mit den vielen Stationen einfach oft auch gibt, reagiere. Trotzdem tut es mir gut, bei der Arbeit und in altem, bekanntem Umfeld zu sein. So fühle ich mich nicht ganz nutzlos und nicht vollkommen ausgeschlossen. Eine Art Abschalten ist es für mich schon, wenn ich durch unser Klinikum laufe und mit Freunden in der Notbehandlung quatschen kann. Fühlt sich an wie daheim.

Weiterhin zunehmen tut mein Körper fleißig und denkt sich, was er am Anfang verpasst hat, muss er jetzt nachholen. Und so bin ich mittlerweile auch im Liegen unübersehbar schwanger, was die Waage mit 8 Kilo munter bestätigt (und meiner Meinung nach für die 27. Woche auch völlig in Ordnung ist). Genügend Klamotten habe ich mir ja jetzt zugelegt, jedenfalls für meine Verhältnisse, und auch alle Menschen in meinem Umfeld begrüßen und streicheln und liebkosen meinen Bauch schon mehr als den dazugehörigen Menschen – nämlich mich. Zum Eifersüchtigwerden, sag ich euch. Aber auch schön! So genieße ich, wie es alle Leute gut meinen und sich mit uns freuen.

Meine Maße sind nicht die einzige Veränderung, die zu bemerken waren in den letzten Tagen. Vor ein paar Tagen startete ich den Tag mit einer SMS an meine Mama: „Meine linke Brust läuft aus!“ Völlig überfordert, mit einem minimal nassen Fleck auf dem T-Shirt lief ich zu Daniel, um ihm davon zu erzählen. Offenbar muss ich so geschockt geschaut haben, dass dieser erst mal anfing, laut zu lachen. Das wiederum brachte mich zum Weinen … und somit auch meine andere Brust zum Auslaufen. Alles halb so schlimm, aber durch meinen Hormonschub eine gefühlte Tragödie. Nach dem Moment der Überraschung begann ich jedoch, mich darüber zu freuen. Schließlich ist das ja schon mal ein Zeichen dafür, dass ich gute Chancen darauf habe, keine Stillprobleme zu bekommen. Also wurden ein paar Stilleinlagen besorgt und das Leben war doch nicht vorbei. Die Hormone sind allerdings geblieben und so muss ich leider bei jeder Kleinigkeit auf die Tränendrüse drücken und von Daniel in den Arm genommen werden, damit alles wieder gut ist. Und wieder einmal kann ich sagen, wie froh ich bin, nicht alleine durch all das durchzumüssen.

FamilyVorläufiger Höhepunkt war dann der Muttertag, zu dem Mama uns alle zum Brunchen einlud. Genau mein Ding. Essen im Akkord und so lange man möchte. Der Bauch muss ja nicht mehr eingezogen werden. Das Wetter war toll und unser Geschenk – ein schönes Bild, das wir auf Leinwand haben ziehen lassen – kam auch super an. Anschließend spazierten wir noch durch den anliegenden Park, der auch super für Lotte ist. Nächstes Mal kommt sie auf jeden Fall mit. Danach besuchten Daniel und ich noch den Kindergarten direkt bei uns ums Eck, der Tag der offenen Türe hatte. Bei der Gelegenheit meldeten wir dann auch gleich unseren Schatz für einen Krippenplatz im nächsten Jahr an. Das muss offenbar so früh getan werden. Und in der Tat waren schon viele Anmeldungen eingegangen, sodass wir uns auch noch andere Kindergärten anschauen werden müssen …

HasenZur Wiedergutmachung werden meine Tage durch die 10 Babyhasen versüßt, die vor einigen Tagen auf die Welt kamen und nun bei Oma im Schuppen kräftig heranwachsen und Muttergefühle in mir wecken. Zusammen hatten wir Opa dazu überredet, die Hasenmama auch dieses Jahr wieder decken zu lassen und nun wurden wir dafür belohnt. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch bei den Schwieger- und Großeltern sind, muss ich erst nach den Hasen sehen, bevor ich mich auf anderes konzentrieren kann. Wie bei 10-Jährigen. Wenigstens kann ich all mein Verhalten auf die Hormone schieben und es mir weiterhin gut gehen lassen.

Ich hoffe, das tut ihr auch bei diesem Wetter!

Liebe Grüße von der Milchfrau und dem kleinen Zwerg

Hosen und Hasen was last modified: Juli 7th, 2017 by ALVI – Alfred Viehhofer GmbH & Co. KG