Versprochen!

Heute gibt es Neuigkeiten. Wobei, eigentlich gibt es die schon seit London. Doch erst einmal musste ich sie selbst verdauen und mich daran gewöhnen. Kurz: Als Daniel und ich im Urlaub waren (und jetzt werden es sich die meisten schon denken …), kam die große Frage. Wobei sie eher weniger groß und mehr überwältigend war. Anfangs war ich ziemlich überfordert, hatte ich doch erst gar nicht richtig mitbekommen, dass er wirklich gerade dabei war, die eine Frage zu stellen …

Aber fangen wir von vorne an: Wir hatten einen der schönsten Tage überhaupt und erledigten fast unser gesamtes Sightseeing an einem Tag zu Fuß und sehr gemütlich. Am späten Morgen waren wir auf dem Weg zum London Eye, dem Riesenrad in London, wo ich mich geistesgegenwärtig erinnerte, dass meine Cousine da wohl ihren Antrag bekommen hat. „Wie kitschig.“ (Sorry Linda, sei mir nicht böse.) Auf dem London Eye, ganz oben angekommen, überfiel mich eine Heißhungerattacke … und in Erwartung eines Schokoriegels grabschte ich nach Daniels Jackentasche. Nix da, ich erntete erst mal einen Schlag auf die Hand, der sogar richtig weh tat. Da dachte ich mir schon: „Er wird da doch wohl keinen Ring drin haben …“ Aber nichts passierte. Der Schokoriegel war übrigens im Rucksack.

Blog-04_LichterEine Reihe von wunderschönen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten folgte. Gekoppelt mit gutem Wetter, überaus netten Menschen und der Möglichkeit für mich, endlich wieder Englisch sprechen zu können, hatten wir einen wunderschönen Tag, an dem es 100 romantische Möglichkeiten gegeben hätte, mich zu fragen. Nichts passierte, also vergaß ich es wieder. Am Ende des Tages war mir unglaublich kalt, ich war müde und froh, fast an der Fähre angekommen zu sein, die mich in mein Bett chauffieren hätte sollen. Daniel jedoch bestand darauf, auf einem kleinen Rasenfleck vor einer lichterkettengeschmückten Allee zu halten … und diesen Moment mit unserer neu erworbenen Kamera einzufangen – wie ja auch schon der gesamte Tag dokumentiert worden war. Diesmal jedoch wollte er von uns beiden einen Film drehen, konnte aber die Kamera einfach nicht so positionieren, dass wir beide komplett im Bild waren. Ich war eine große Hilfe, indem ich meckerte und meine glorreiche Idee anbrachte, dass wir uns ja auch hinunterbeugen könnten. Also schaltete Daniel das Gerät aus und kam auf mich zu, um mir zu erzählen, wie sehr er mich liebte: Wir bekämen jetzt ein Kind, hätten einen Hund und lebten endlich zusammen – nach all dem Stress mit 6500 Kilometer Entfernung nach New York.

Blog-04_RingIch war wieder eine echte Hilfe, indem ich eher unmotiviert und zitternd von einem Bein aufs andere trat und hoffte, dass Daniels emotionale Phase vorübergehen würde. Erst als er das Ringschächtelchen aus seiner Jackentasche hervorzog, wurde mir klar, was das gerade bedeutete … und meine einzigen Gedanken waren „Mist, Mist, Mist“. Dann kniete er sich für etwa 2 Sekunden vor mich und stellte die Frage, an die ich mich aufgrund meines Schockzustands gar nicht mehr richtig erinnern kann.

Zack, stand er wieder vor mir und durfte sich mein Gestammel anhören, das sich eher wie ungläubiges Gebrabbel anhörte und sich aus den Worten „bist du dir sicher“ und „ist das dein Ernst“ zusammensetzte. Noch 2 Tage vor der Abreise hatten wir guten Freunden beim Umzug geholfen – und während die Männer Männerarbeit erledigten, bauten wir Mädels Ikea-Schränke zusammen und sprachen darüber, dass es wohl bald geschehen würde. Dass ich es wollte und erwartete und ich mich auf einen Ring freute. Doch als die Situation dann plötzlich da war, war ich nur geschockt und überfordert – und irgendwie schoss mir durch den Kopf, dass es all das nun schon gewesen sein könnte: Zum ersten Mal schwanger, den Antrag bekommen, die Hochzeit vor der Tür … Überwältigende Gedanken, denen ich erst einmal durch Tränen Luft machen musste.

Zum Glück war allerdings Daniel da, um mich aufzufangen – nicht wortwörtlich, aber sehr wohl in emotionaler Weise. Im Nachhinein war es eine unglaublich schöne und romantische Situation, doch dafür war ich in diesem Moment einfach nicht empfänglich (zumal ich ohnehin nicht der romantischste Mensch bin). Schließlich war und ist alles noch so spannend und neu mit einem kleinen Menschen in meinem Bauch, der doch hoffentlich ganz bald anfängt, sich durch Bewegungen bemerkbar zu machen. Wir sehen doch schon im Ultraschall, wie aktiv und sportlich das Kleine ist. (Hm, vielleicht sollte ich nach der Geburt erst einmal einen Mutterschaftstest machen lassen … ;)

Blog-04_HandAber jetzt, wo sich die Aufregung gelegt hat und der Schock verdaut ist, bin ich richtig stolz, meinen Ring in der Gegend herumzutragen und ein wenig anzugeben. Auch wenn wir nicht sofort und vor der Geburt heiraten werden, ist es doch eine große Geste. Ich habe dem Mann, der immer für mich da ist, dem ich mein Leben anvertrauen würde und von dem ich das schönste Geschenk erwarte, das eine Frau bekommen kann, ein Versprechen gegeben. Und obwohl das für mich nie eine Priorität darstellte, war es doch für Daniel unglaublich wichtig, dass wir beide noch ein kleines Stück näher zusammenrückten, bevor unser Wunder das Licht der Welt erblicken soll. Und was kann es Schöneres geben, dem Menschen, den man liebt, eine solche Frage mit „Ja!“ zu beantworten?

Gruß und Kuss

Der verlobte Wildfang + das nicht mehr ganz so kleine Wunder

Versprochen! was last modified: Juli 7th, 2017 by ALVI – Alfred Viehhofer GmbH & Co. KG